Ausbildung zur OTA - Grundlagen der Operationstechnischen Assistenz Teil 1

März 03, 2018

Hallo Ihr Lieben!
In einem meiner letzten Beiträge habe ich Euch bereits von den einzelnen Lernbereichen und grob deren Inhalte berichtet. Heute möchte ich dies noch mal genauer vertiefen, damit sich der ein oder andere besser auf die Ausbildung vorbereiten kann - oder auch schon für anstehende Prüfungen. Dieser Post enthält einige Fachbegriffe, bei Fragen hierzu stehe ich gerne zur Verfügung ;)

In den ersten Wochen lernt Ihr die wichtigsten Aufgaben Eures neuen Berufes. Sicherlich kommt Euch einiges schon bekannt vor, da Ihr Euch selbstverständlich ausführlich informiert habt. Daher beginnen wir nun mit den Grundlagen einer OTA. Da diese natürlich einige Punkte umfasst, werde ich dieses Thema in mehrere Posts splitten.

Dieses Bild ist während meiner Ausbildung in der Berufsschule entstanden. Zu sehen ist ein Einwegtrokar für Laparoskopische (Minimalinvasive Eingriffe mit einer Kamera z.B. im Bauchraum) Operationen. (copyright by franzis-blogstory.blogspot.de)

Präoperativ ("vor der OP"):

Dies bedeutet, dass Ihr vor der OP die benötigten Materialien wie zum Beispiel die Abdeckung, Siebe, Verbandsmaterial, Nahtmaterial und vieles mehr bereit stellt. Diese müsst Ihr dann ebenfalls auf deren Sterilität kontrollieren und steril Eurem instrumentierenden Kollegen anreichen.

Ihr seid aber auch verantwortlich für die sichere Identifikation des Patienten wenn Ihr diesen beispielsweise in der OP-Schleuse entgegennehmt und beim Umlagern vom Krankenbett auf den OP-Tisch helft. Bevor die eigentliche OP starten kann, müsst Ihr den Patienten auch ordnungsgemäß mit Hilfe der Chirurgen und der Anästhesie lagern. Dabei müssen alle Beteiligten also darauf achten, dass die Privatsphäre des Patienten gewahrt wird, alle potentiellen Stellen für Lagerungsschäden ordentlich gepolstert sind und beispielsweise die Arme nicht überstreckt werden. 

Da während den Operationen Blutungen mit elektrischen Geräten koaguliert (mittels Strom und Hitze werden hierbei kleine Blutungen verödet - ähnlich wie bei einem Steak auf einem Elektrogrill) werden, muss auch einiges dazu beachtet werden. So benötigt man bei der Verwendung von Monopolar eine Neutralelektrode, damit der Strom wieder aus dem Körper herausgeleitet werden kann. Diese Elektrode muss vor der OP auf den Patienten geklebt werden, da dies später schwieriger ist, wenn das OP-Gebiet bereits abgedeckt ist. 

Mit "abgedeckt" meint man die sterilen Tücher, die auf den Patienten gelegt oder geklebt werden, damit man eine gewisse Transparenz und Distanz zu dem Patienten erhält. Sie sorgen aber auch dafür, dass die Sterilität während einer Operation gewahrt werden kann und man sich nur auf das jeweilige OP-Gebiet konzentriert. Je mehr Fläche man hat, desto wahrscheinlicher ist es, dass etwas unsteril wird. So wird beispielsweise bei einem Eingriff am Fuß nicht das ganze Bein freigelassen, sondern wirklich nur bis ca. zur Hälfte der Wade. Alles andere wird dann mit sterilen Tüchern zugedeckt.

Ab dem Zeitpunkt, wo Ihr den Patienten entgegennehmt, seid Ihr bereits für die Dokumentation verantwortlich - dieses Thema wird Euch während der gesamten Ausbildung begleiten, denn eine vollständige Dokumentation ist das A und O!


Intraoperativ ("während der OP"):

In dieser Phase seid Ihr dafür zuständig, dass das operierende Team ohne große Verzögerungen alle zusätzlich benötigten Materialien erhält. Dies umfasst beispielsweise weitere Nähte, benötigte Siebe wenn Ihr z.B. von einem Laparoskopischen Eingriff (z.B. ein Eingriff mit einer Kamera in den Bauchraum) auf einen konventionellen umsteigt oder sich die Lagerung OP-bedingt verändern muss - da die Chirurgen schlecht abtreten können um dies selbst zu machen, seid Ihr hierfür unter anderem verantwortlich.

Es ist aber auch wichtig, dass Ihr den Patienten genau beobachtet, so ist ein frühzeitiges Erkennen eines Nachlassens der Narkose gewährleistet. Wie eben bereits erwähnt ist auch hier die Dokumentation besonders wichtig. So müsst Ihr beispielsweise die Schnitt-Naht-Zeiten festhalten, wann der Patient in die jeweilige Lagerung gebracht wurde und selbstverständlich wer alles bei der OP dabei ist. Aber auch die Materialien und Verbrauchgüter müssen notiert werden. Dies ist jedoch von Klinik zu Klinik unterschiedlich - in meiner aktuellen Klinik wird akribisch jedes einzelne Sterilgut - von den OP-Sets und Handschuhen über Lampengriffen bis hin zu den jeweiligen Nähten vermerkt. In meiner alten Klinik
wurden beispielsweise nur die Materialien für die Zählkontrolle, Siebe und natürlich die Implantate eingegeben.

Hugo Giovanni - das Skelett aus meiner Berufsschule, oftmals sehr gut geschützt eingekleidet. (copyright by franzis-blogstory.blogspot.de) 
Während der OP wird auch oftmals das ein oder andere Präparat (z.B. Gewebeproben oder Tumore) entnommen. Bei Tumoroperationen, die mit Lyphknotenentfernungen kombiniert sind, kommen so schnell um die 6 (oder mehr) Präparate zusammen. Da sich die Chirurgen während der OP auf deren reibungslosen Ablauf konzentrieren müssen, können sich diese die jeweiligen Bezeichnungen nicht unbedingt behalten. Daher seid Ihr dafür verantwortlich, dass die Präparate richtig nummeriert und bezeichnet sind. Somit kann eine Verwechslung ausgeschlossen werden.


Postoperativ ("nach der OP"):

Dies ist gleichzusetzen mit dem Ende der OP, denn hier helft Ihr nachdem die Naht beendet wurde bei den Verbänden - so bereitet Ihr beispielsweise eine Gipsschiene bei Operationen am Unterarm vor, entlagert den Patienten (er wird wieder in die "normale" Liegeposition gebracht) und sorgt auch hier wieder dafür, dass dessen Privatsphäre gewahrt wird und er beispielsweise nicht komplett nackt wie auf dem Präsentierteller liegt. Gemeinsam mit Eurem sterilen Kollegen entsorgt Ihr alle benötigten Verbrauchsgüter, bringt unter anderem die Siebe in die Entsorgung und räumt spitze Gegenstände wie Nadeln und Skalpellklingen in die dafür vorgesehenen Behälter.


Während aller drei Phasen müsst Ihr immer bedenken, dass der Patient immer im Vordergrund steht und alles zu seinem Wohl ist. Auch ist während dieser Zeiträume immer die Dokumentation besonders wichtig und die Zählkontrolle findet in jeder dieser Phasen statt. So zählt Ihr beispielsweise unter der Vier-Augen-Kontrolle vor der OP mit Eurem Kollegen alle Tupfer, Bauchtücher, Kompressen etc., währenddessen z.B. wenn eine Pausenablöse stattfindet oder weitere Materialien angereicht werden müssen, und zu guter Letzt bevor die Operateure mit dem Zunähen beginnen. So gewährleistet Ihr nämlich, dass kein Tupfer o.ä. im OP-Situs (OP-Gebiet) verbleibt und später zu Beschwerden führt.

Auf die Themen Dokumentation, Lagerung, Koagulation, Abdeckung und Präparate werde ich in späteren Posts noch einmal genauer eingehen.


Das war es von mir fürs Erste zu diesem Thema. Ich würde mich sehr darüber freuen, wenn Ihr mir ein kleines Feedback hinterlasst, ob es für Euch so verständlich ist oder gar teilweise zu detailliert.
Ansonsten sehen wir uns bei meinem nächsten Post wieder! Bei weiteren Fragen könnt Ihr diese selbstverständlich auch in die Kommentare schreiben. Ich versuche diese möglichst schnell zu beantworten.




Ich wünsche Euch einen schönen Abend und ein schönes Wochenende!

Liebste Grüße, Eure franzi :)





* Die Bilder wurden von Kollegen während der Ausbildung gemacht.

You Might Also Like

4 Kommentare

  1. Die OTA, die gerade nicht der Springer ist, assistiert doch auch die OP, zb. dass sie Klammern halten oder ähnliches. Also meine Frage, ist man auch direkt am Patienten betätigt, oder geht es ausschließlich um das Heranschaffen der Materialien?
    Liebe Grüße

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Die Instrumentierende ist steril direkt bei der OP mit dabei und reicht den Chirurgen die benötigten Instrumente und Materialien an, sie muss die OP kennen und den Chirurgen immer einen Schritt voraus sein. Meist kennt ein/e OTA die jeweiligen Systeme besser als der Chirurg und auch den oftmals den OP Ablauf.
      Das Halten von Instrumenten oder auch das absaugen gehören dabei primär nicht zu deren Aufgabe. Natürlich wird wenn Not am Mann ist auch mal ausgeholfen - in kleineren Kliniken kann es auch sein dass man als OTA näht, man muss aber im Hinterkopf behalten, dass dies rein ärztliche Tätigkeiten sind, die eigentlich nicht an eine OTA oder auch OP Schwester deligierbar sind.

      Ich hoffe deine Frage ist somit geklärt :)


      Liebe Grüße!

      Löschen
  2. Ich wollte fragen wie das mit den Pausen geregelt wird. Also so was wie zwischendurch was Trinken, wenn eine OP Mal länger dauert.
    Viele Grüße

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das ist von Klinik zu Klinik unterschiedlich geregelt.
      Wenn es einen Schichtdienst gibt, löst der Mitteldienst, der meist gegen 12 beginnt, seine Kollegen zur Pause aus. Manche Kliniken machen zwischen 2 Operationen oder auch während einer Operation eine Pause, natürlich muss während der Operation der Anästhesist beim Patienten bleiben ;)

      In der Regel gibt es aber immer eine Möglichkeit kurz etwas trinken zu gehen, vorausgesetzt man ist der Springer. Die Anästhesie springt beispielsweise an meiner aktuellen Klinik manchmal ein wenn der Springer kurz was trinken und essen möchte und ruft bei Bedarf dann eben an.

      Als Instrumentierender lässt man sich jedoch je nach OP nicht unbedingt von seinem Kollegen auslösen, man sieht dann zu, dass man vorher ausreichend gegessen und getrunken hat (jedoch nicht zu viel getrunken wegen sonst benötigter Pipi-Pause).

      Es gibt Tage wo man wirklich nicht dazu kommt seine halbe Stunde Pause wirklich zu machen, aber man verhungert und verdurstet an solchen Tagen trotzdem nicht ;)

      Liebe Grüße und einen schönen Abend!

      Löschen

Vielen Dank für deine Nachricht!
Ich freue mich sehr darüber und werde schnellsmöglich antworten ;)